Neugierig auf… Iris Kauffmann (Archäologin, Kulturvermittlerin, Gästeführerin)

Es ist mal wieder soweit! Eine neue Folge von „Neugierig auf…“, meinem kleinen virtuellen Freundebuch im Blog.

Dieses Mal beantwortete mir eine liebe Kollegin, die Archäologin, Kulturvermittlerin und Gästeführerin Iris Kauffmann, meine Fragen. Und ihre Antworten sind ganz großartig, manchmal lustig und manchmal nachdenklich machend.

Da beim ersten Durchgang alles ein bisschen viel war, habe ich den Fragebogen gekürzt.

Viel Spaß beim Lesen!

 

Persönliches:
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© Iris Kauffmann/ Kultur.digital

Name oder Pseudonym: Iris Kauffmann

Geburtstag (das Jahr darf weggelassen werden): 27.10.1968 (ich kann zu meinem Alter stehen 🙂 )

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Augenfarbe: blaugrün (je nach Gemütszustand mehr blau (gute Laune) oder grün (wenn ich mich ärgere))

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Was ist das Besondere an deinem/deinen Beruf/Berufen: Dass er spannend ist wie ein Krimi und nie langweilig wird.

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Als Kind wolltest du … werden: Lastwagenfahrer (weil ich als Kind immer dann, wenn mein Vater in der Spedition, in der er als Geschäftsführer arbeitete, für einen kurzfristig erkrankten Fahrer einspringen musste, mit auf große Fahrt durfte. Ich war schon immer reiselustig.)
Worüber kannst du lachen?: Über Wortwitz, Monty-Python-Humor und mich selbst

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Was kannst du überhaupt nicht leiden?: Ignorant rücksichtsloses Benehmen und kleingeistiger Egoismus

Interessantes:

Welche/n Romanheld/in würdest du gern mal treffen und warum?: Graf László Almásy (Der englische Patient), weil er gut aussieht und ein Gentleman ist (zumindest im Film) und ich mir gerne von ihm die Höhle der Schwimmer zeigen lassen würde – allerdings nur mit Rückkehr-Garantie.

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Welche (magische) Begabung hättest du gern?: Den Mut Dinge zu ändern, die ich ändern kann, den Gleichmut, Dinge zu ertragen, die ich nicht ändern kann, und den Verstand, das eine vom anderen zu unterscheiden.

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Die besten Ideen kommen mir bei/in/auf…: … dem Fahrrad

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Wenn ich für einen Tag die Weltherrschaft innehätte, würde ich…:… alle korrupten Regime durch demokratische Systeme ersetzen und das Recht eines jeden Menschen auf Nahrung, sauberes Wasser, Rechts-sicherheit und Bildung unwiderruflich in allen Verfassungen verankern.

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Ich wäre die passende Besetzung für folgende Rolle…:… eine Leiche in einem Krimi. Dafür würden meine schauspielerischen Talente gerade noch ausreichen. Aber bitte keine Wasserleiche. Ich kann nicht so gut schwimmen.

 

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© Iris Kauffmann/ Kultur.digital: Lithographie in den Vogesen

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Fünf Fragen an Iris Kauffmann:

Die Leute jammern immer, wenn irgendwo gebaut wird und erstmal kommen die Archäologen. Warum ist es wichtig, dass bei Bauprojekten die Archäologen vor Ort sind?
Weil sie die Spuren unserer Vorfahren, die verborgen im Untergrund liegen zwar nicht mehr retten können, wenn die Baumaßnahme bereits genehmigt ist, aber zumindest für unsere nachfolgenden Generationen so exakt wie möglich dokumentieren und dadurch zumindest die Erinnerung an die Vergangenheit zu bewahren.
Wenn wir Archäologen eine Ausgrabung durchführen, schaffen wir von dem, was wir ausgraben eine Art multimediale Kopie, so wie man mit einer Fotografie das Abbild eines Momentes schafft, der im nächsten Augenblick schon der Vergangenheit angehört. Sammelt man diese Fotografien in einem Album, erhält man im Laufe der Zeit ein Bild der Lebensgeschichte eines Menschen. Jede Ausgrabung ist eine Momentaufnahme der Vergangenheit, ein Bild im Photoalbum, im Photoalbum der Kulturgeschichte der Menschheit.
Jede nicht durchgeführte Ausgrabung ist, als ob man ein Bild aus dem Photoalbum herausnimmt, zerreißt und verbrennt. Die Erinnerung an diesen Moment wird damit unwiederbringlich ausgelöscht.

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Was sind für dich die Vorteile der Freiberuflichkeit? Was die Nachteile?
Freiberuflichkeit bedeutet für mich Freiheit und Eigenverantwortung. Beides ist mir sehr wichtig, weil ich ganz nach meinen Interessen die Schwerpunkte meiner Arbeit legen kann – und dafür natürlich auch gerade stehen muss, aber auch die Lorbeeren ernten kann. Und dann ist es natürlich extrem abwechslungsreich, wenn man in und für verschiedene Museen in verschiedenen Städten mit ganz unterschiedlichem Publikum und Themenschwerpunkten arbeiten kann und dann auch noch Zeit bleibt für Stadtführungen (in meinem geliebten Konstanz) und meinen Kultur-Blog. Nein, ein nine-to-five-Job wäre mir zu wenig abwechslungsreich.
Die Nachteile der Freiberuflichkeit im Kulturbereich basieren vor allem auf den nicht angemessenen Honoraren für unserer Leistungen. Nach Abzug aller Kosten bleibt oft kaum Geld übrig, um längere Ausfälle durch Krankheit oder schlechte Auftragslage abzusichern oder etwas fürs Alter zurückzulegen. Leider ist die Bereitschaft, höhere Honorare zu bezahlen, sehr gering. Scheinbar ist es einem breiten Publikum nicht zu vermitteln, dass die Teilnehmer einer Gruppenführung für eine fachkundige Museums-Führung durch eine/n wissenschaftlich ausgebildete/n Kulturvermittler/in mehr bezahlen sollen, als eine Tasse Kaffee im Restaurant kostet.

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© Iris Kauffmann/ Kultur.digital: Die Kirche von Hunawihr im „Bilderrahmen“

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Über welches Thema würdest du gerne mal eine Ausstellung auf die Beine stellen (lassen) und durchführen (Geld spielt in diesem Szenario keine Rolle)?
Ein mehr forschungsgeschichtliches Thema würde mir da am Herzen liegen. Ich würde gerne eine Ausstellung über Archäologinnen von den Anfängen der archäologischen Forschung bis heute machen. Der Schwerpunkt sollte allerdings in der Zeit vom Ende des 19. bis 1. Hälfte 20. Jh. liegen. Da gibt es, glaube ich, über die bekannten Namen wie Johanna Mestorf hinaus, durchaus noch Forschungsbedarf.

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Warum ist Kultur für die Gesellschaft wichtig?
Weil Kultur mehr ist als Museen, Konzerte, Literatur, … Kultur ist das Bewusstsein, Teil einer Gesellschaft zu sein. Indem wir mit anderen Werte, Wissen und Interessen teilen, werden wir Teil einer Gesellschaft. Kultur hält eine Gesellschaft zusammen, schafft Verbindungen zwischen den Individuen und verbindet diese zu einem stabilen Netz. Museen, Konzerte, Theater, Literatur, … sind nur die Früchte dieser gemeinsamen Interessen.

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Welche aktuelle Ausstellung(en) sollte man unbedingt besuchen? Und warum?
Ganz klar: Glasklar – Archäologie eines kostbaren Werkstoffes. Läuft noch bis 29. September 2015 im Archäologischen Landesmuseum in Konstanz.

 

Infobox zu Iris Kauffmann:

Wer mehr über Iris Kauffmann wissen möchte, der klickt mal rüber in ihren großartigen, zauberhaften und interessanten Kultur-Blog KULTUR.digital

Wer mal eine spannende, lehrreiche und lustige Führung bei ihr erleben will, der findet alle nötigen Infos auf ihrer Homepage

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Iris Kauffmann is a colleague of mine as a tour guide, she´s an archaeologist and answered some questions for me about culture and the importance of it for the society. This post will be just in German.

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